Alte Welt Charme gepaart mit der Energie des 21. Jahrhunderts – Willkommen in Neu Delhi

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Gastartikel von Antje Pfahl

Delhi gleicht einem heillosen Ort des Chaos und ein Besuch dieser Stadt ist gleichzeitig auch eine Zeitreise. (Ich würde sagen, dass gilt sogar für ganz Indien). Die indische Hauptstadt wurde schrittweise von vielen Dynastien, die hier regiert haben, geprägt und gestaltet. Heute ist sie eine der am schnellsten wachsenden Großstädte der Welt. Indiens Vergangenheit und seine Zukunft werden hier erlebbar. Für mich hat die Stadt viele Gesichter – eines davon ist Alt Delhi, die ehemalige Hauptstadt der Moguln, die 1683 gegründet wurde, und Neu Delhi, im Süden. Beide sind in so vielen Dingen verschieden – nicht nur in Architektur und Gestaltung, aber auch in den Menschen, die dort leben. Alt Delhi hat sehr enge Straßen mit einem Gewirr aus Stromkabeln, die überall über den Köpfen der Menschen hängen und im Kontrast dazu sind Neu Delhi’s Straßen weit und mit kleinen Parks versehen. Beide Teile sind jedoch auf ihre Weise bunt und magisch.

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Erkundung einer anderen Welt

Ich bin besonders fasziniert von Alt Delhi, da es für mich ein reines architektonisches Vergnügen ist mit seinen Moscheen, Tempeln, Monumenten und Straßenmärkten, die es zu entdecken gibt. Es ist ein Ort, an dem die Seele durch Fabeln und religiöse Geschichten auf Reisen gehen kann, die hier zu finden sind.

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Der Glaube ist überall

Verschiedenste Glaubensrichtungen und Kulturen kommen in Delhi zusammen. Die Jama Masjid, die größte Moschee Indiens, repräsentiert eine davon. In Auftrag gegeben vom Mogul Kaiser Shah Jahan, dem Bauherr des berühmten Taj Mahal, wurde die Moschee 1656 fertig gestellt. Sie liegt am Anfang einer der geschäftigsten Straßen in Alt Delhi. Der Innenhof fasst bis zu fünfundzwanzigtausend Anhänger, die sich hier zum Beten zusammen finden. Ich habe es genossen hier barfuß zu laufen und die Geschichte unter meinen Füßen zu spüren. Dieser Ort versprüht definitiv eine großartige Energie.

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Ein Platz der Frieden in meine Seele bringt, ist der Hindutempel Gaur Shankar, der in der gleichen historischen Gegend von Chadni Chowk liegt wie auch Jama Masjid. Der Tempel ist über 800 Jahre alt und dem Gott Shiva gewidmet, einer der wichtigsten Götter des Hinduismus. Er ist auch bekannt als der Zerstörer. Der Hauptandachtsbereich befindet sich im ersten Stock. Der Tempel ist das ganze Jahr über geöffnet. Als ich ihn besichtigte hat eine Gruppe von Frauen wunderbar religiöse Lieder gesungen, was mich die weibliche Energie des Landes spüren ließ.

An einigen Orten bleibt die Zeit stehen

Khari Baoli ist eine sehr belebte Straße in Alt Delhi und gleichzeitig dessen Gewürzgroßmarkt. In jedem Fall ist es einen Spaziergang wert. Es gibt nämlich nichts Besseres als einen Gang durch die geschäftigen mit Märkten gefüllten Straßen Alt Delhi‘s, um ein Gefühl für das Land in all seiner glorreichen und chaotischen Vielfalt zu bekommen. Die riesigen Säcke an Gewürzen und Kräutern werden zu den Verkäufern auf langen Schubkarren gebracht. Der Markt stellt jede Menge an Linsen, Reis, gigantischen Chutney und Pickles (sauer eingelegtes Gemüse) Gläsern sowie Nüssen und Tee zur Schau. Die offene Präsentation fällt einem sofort ins Auge. Der Spaziergang hier ist eine Reise für alle Sinne, besonders für den Geruchssinn, da man die Gewürze und Kräuter überall riechen kann.

Ein anderer Höhepunkt hier ist das massive Red Fort, dessen Besuch einen ein Teil der glorreichen Geschichte werden lässt. Der Festungskomplex wurde im 17. Jahrhundert vom Mogul Kaiser Shah Jahan konstruiert und ist einer der größten Monumente des Landes. Jeden Abend (außer montags) gibt es eine einstündige Lichtershow, die die Ereignisse der indischen Geschichte wieder aufleben lässt.

Alt Delhi ist ein einzigartiges kulturelles Erlebnis. Es hat seinen eigenen Charme und Schönheit, dem ich nie widerstehen kann. Und ein Ausspruch dem ich völlig zustimme, ist: „Es kann keine wirkliche Entwicklung geben, wenn wir das kulturelle Erbe ignorieren.“ Die Schätze Alt Delhi’s müssen erhalten werden und sind ein absolutes Muss für jeden Besuch der indischen Hauptstadt.

Der neue Zeitgeist

In diesem Moment hier zu leben, lässt mich eine Energie fühlen, die gerade in dieser Stadt aufkommt und einem Neu Delhi aufzeigt! Im Stadtzentrum gibt es frisch gestrichene Straßen, ein neues Metrosystem und die belebten Vororte verwandelten sich in neue dynamische Stadtteile. Aber eine aufstrebende Metropole benötigt weit mehr als öffentlichen Transport, Geschichte und politische Macht. Es braucht eine soziale Macht und Delhi hat definitiv eine eklektische soziale Szene. In Neu Delhi finden lebendige Konversationen statt. Hier ist der Funke zu finden, der die Dunkelheit erhellt. Dieser Funke wird von den Menschen initiiert, die das neue Gesicht der Stadt schaffen. Es sind junge Menschen wie Saurabh Arora, Entrepreneur und Gründer des Start-ups Memetic Labs, oder die Künsterlerin Nandita Kumar, die neue Medien in ihre Kunst einfließen lässt und mit ihnen neue Räume kreiert. Sie bilden das neue Delhi.

Ereignisse wie die Formel Eins oder die India Art Fair, die 2008 ins Leben gerufen wurde, sind eine echte Bereicherung. Sie zeigen, dass die Stadt sich voran bewegt im 21. Jahrhundert.

Gesellschaftliche Wahrzeichen wie der CMYK Buchladen – der einzige seiner Art in der Stadt, der sich auf qualitativ illustrierte Bücher über Kunst und Design von internationalen Verlagen spezialisiert hat – und People Tree, das ein Zentrum für gesellschaftsbewusste Künstler und Aktivisten ist, ist Delhi’s einziger alternativer Buchladen. Beide gehören zum kreativen Antrieb von Neu Delhi.

Ich liebe Delhi, weil es mir mehr Farben gibt als wir uns vorstellen können. Es ist eine Stadt der tausend Bilder und das heutige Delhi verspricht eine Reise, die nicht enden will. Die Hauptstadt übertrifft Athen und Kairo mit seiner Geschichte, entspricht Washington mit seiner politischen Macht und bietet Paris und New York die Stirn bezüglich seiner Einkaufs- und gastronomischen Möglichkeiten. Ich fühle mich in Delhi lebendiger, so als würde jemand die Lautstärke aufdrehen und den Farbknopf drücken. Die Welt ist hier weder schwarz noch weiß.

Über die Autorin

Geboren in der Nähe von Berlin hat Antje Pfahl die Welt nicht wirklich bereist bevor sie nach Indien kam. Ein neues Leben brachte sie nach Neu Delhi, wo sie seit Dezember 2011 als Kommunikationsspezialistin arbeitet. Sie liebt Kreativität, Design, Kunst und Bücher. Sie praktiziert Yoga und ist von Natur aus ein Optimist. Um mit Antje in Kontakt zu kommen, folgt ihr einfach auf Twitter unter @AntjePfahl. Sie freut sich über einen regen Austausch!

Discussion1 Kommentar

  1. Great post. Been to Delhi at least a dozen times but hardly ever stay more than an evening. This blog and books like ‚City Of Djinns: A Year In Delhi‘ by William Dalrymple are making me want to spend more time there.

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