Schottland. Oder: Wie man die Stille in sich selbst findet

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Ich wusste schon immer, dass ich mal nach Schottland will und auch, dass es mir da mit Sicherheit gefallen wird, aber das, was Schottland dann tatsächlich in mir ausgelöst hat, auf das war ich nicht gefasst.

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Es fing am Abend des zweiten Tages an. Ich saß am Ufer von Loch Linnhe und die langsam untergehende Sonne tauchte alles in ein sanftes, fast schon magisches Licht. Und auf einmal hatte ich einen dicken fetten Klos im Hals. Ich versuchte ein paar Mal zu schlucken und mir einzureden, dass ich doch schon an vielen schönen Orten auf dieser Welt war, aber irgendwann konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Und da saß ich nun, alleine in dem Restaurant zu dem ich erstmal zwanzig Minuten durch den Wald und am Ufer entlang laufen musste, und heulte wie ein kleines Kind, weil mich die Schönheit der Landschaft einfach überwältigt hatte. Und ich konnte es selbst nicht fassen. Aber das war erst der Anfang.

Auf dem Rückweg zu meinem B&B ging die Sonne dann wirklich langsam unter und ich kraxelte einen steinigen Weg hinunter zum Ufer, setzte mich hin und ließ ein paar dicke Krokodilstränen ins Wasser plumpsen. Einfach, weil es mich so unfassbar glücklich machte. Ich war nicht traurig. Es war nur einfach so unfassbar schrecklich schön, dass mein Herz überquoll und ich einfach nicht anders konnte. Und das hat sich gut anfühlt. Richtig irgendwie.

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Am nächsten Morgen stieg ich ganz früh in meinen Mietwagen und fuhr weiter, ich hatte ein grobes Ziel, aber eigentlich wollte ich einfach nur fahren und alleine sein. Wenn Autos vor mir waren, dann hielt ich an und wartete eine Weile. Wenn Autos hinter mir fuhren, dann hielt ich an und wartete eine Weile. Immer dasselbe Spiel. Einfach weil ich das Gefühl haben wollte, ganz alleine zu sein. Ich wollte Schottland für mich ganz alleine haben und ja, ich spielte mit dem Gedanken, was wohl wäre, wenn, puff, auf einmal alle Menschen auf dieser Welt verschwinden würden.

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Ich hätte es toll gefunden.

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Versteht mich nicht falsch, es gibt unzählige Menschen auf dieser Welt, die mir sehr viel bedeuten und die ich ganz sicher vermissen würde. Aber manchmal, manchmal da muss man einfach mit sich selbst allein sein. Zur Ruhe kommen, seinen Gedanken freien Lauf lassen und mit sich selbst im Reinen sein. Und manchmal, manchmal geht das eben nur, wenn keine anderen Menschen da sind. Wenn man mal wirklich Zeit hat mit sich selbst zu reden, sich selbst zuzuhören und die ganze Hektik und den Stress Schritt für Schritt loslassen. Und einfach nur da sein. Sich selbst sein. Eins mit der Natur.

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Und das hatte ich schon lange nicht mehr. Aber Schottland hat in mir drinnen einen kleinen, im Alltag nicht sichtbaren, Knopf gedrückt und ich konnte tagelang mit dem Weinen vor lauter Glück nicht mehr aufhören. Und manchmal, manchmal muss das einfach so sein. Damit die innere Stimme mal zur Ruhe kommt. Meine innere Stimme ist im Alltag nämlich sehr laut und will andauernd etwas von mir wissen und über Dinge mit mir reden.

Aber wenn man irgendwo an einem Abhang steht, der Wind durch das Haar streift und der Blick über das Land. Wenn man einfach mal ganz laut schreien kann, oder auch ganz leise flüstern. Wenn man an jeder Ecke einen noch schöneren Ausblick findet und man einfach nur Schönes sieht und nichts anderes mehr wichtig ist. Wenn die Natur einem mal wieder zeigt, wie schön sie doch ist. Dann fehlen auf einmal der inneren Stimme die Worte und sie schweigt zufrieden und genießt.

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Und falls ihr euch fragt, ja, wenn dieser Artikel auf Papier mit Tinte geschrieben worden wäre, dann wäre die Schrift an der ein oder anderen Stelle durch dicke fette Tränentropfen nicht mehr lesbar. Denn selbst die Erinnerung an Schottland überwältigt mich immer wieder. Und ja, der Soundtrack von Braveheart tut sein Übriges dazu.

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer Kooperation des Reiseblogger Kollektivs mit Visit Britain.

Hi, ich bin Yvonne. Reisesüchtig. Schuldig im Sinne der Anklage. Sehr wahrscheinlich falle ich gerade irgendwo von einem Kamel, werde von einer Kobra angespuckt oder schleppe mein Gepäck durch einen Fluß im Dschungel. Es könnte allerdings auch gut sein, dass ich gerade im Schlafanzug auf meinem Sofa in Berlin sitze. Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen überall hin. Überall hört sich irgendwie viel spannender an. Seid travelous und folgt mir!

Discussion17 Kommentare

  1. Hi Yvonne,

    super schöner Bericht! Und bei den tollen Bildern hatte ich fast das Gefühl, dass ich auch gerade an dem
    See sitzen würde… In Schottland war ich noch nicht, aber die Landschaft ähnelt der von Irland sehr, und Irland liebe ich wirklich! Aber Schottland ist bestimmt auch eine Reise mehr als Wert.

    Liebe Grüße
    Melanie

  2. Pingback: Snowdonia - Snowdon Mountain Railway, Reisebericht & Video

  3. Hallo Yvonne,
    Ich kann da richtig mitfühlen! Ging mir genauso als ich das erste mal in Schottland war und ist jetzt auch immer noch so! Ich war schon dreimal dort und letztes Jahr bin ich den West Highland Way gelaufen, ist auch sehr schön, aber Dir wären wahrscheinlich zu viele Leute da gewesen, der ist nämlich schon recht gut besucht. Aber in Schottland findet man Orte, wo man auf jeden Fall alleine sein kann! Selbst auf dem Weg gab es Tage, wo ich stundenlang keiner Menschenseele begegnet bin! Das war ein echt schönes Erlebnis, Schottland ist einfach toll!

  4. Pingback: Schottland Reise - In 5 Tagen mit dem Mietwagen durch die Highlands

  5. Ui, muss wundervoll dort sein. Ich hoffe ja ein wenig darauf, ähnlich schöne und ruhige Orte auch auf unserer Irland-Reise dieses Jahr zu entdecken. Aber Schottland kommt definitiv auch noch auf meine Ziele-Liste für die nächsten Jahre!

  6. Hallo Yvonne,
    mein erster Schottland-Trip erwartet mich Mitte Mai. Und dein wunderbarer Blog hat mir viele Inspirationen geliefert. Ich danke dir sehr dafür! Wir werden auch in der Creag Mhor Lodge nächtigen, die du so schön fandest. In welchem Restaurant warst du denn dort? Und war auch das Essen dort empfehlenswert, oder mehr der Ausblick auf Loch Linnhe?

    • Oh wie cool!!! Ich weiß nicht mehr wie das Restaurant hieß, aber wenn ihr aus der Creag Mhor Lodge rausgeht dann einfach rechts halten, nach zwei Meilen kommt dann auf der linken Straßenseite das Restaurant (davor is da quasi nix), ihr könnt es also nicht übersehen. Ich hatte Fisch und Chips und hab geheult und es war wunderbar 😀
      VIEL SPASS!

  7. Schottland ist ein Land, das einen nie wieder gehen lässt! Seit ich vor 11 Jahren das erste mal dort war, habe ich regelmäßig Heimweh nach den Highlands. 😉 Dabei ist das Passeiertal doch auch so schön. Aber eben…anders. Schottland ist einmalig und hat meine Seele berührt.

  8. Ich heule auch gleich, weil der Bericht so wunderschön war und ich nun hundertpro weiß, dass ich nächstes Jahr ganz allein mit mir und mit Mietwagen zum ersten Mal im Linksverkehr zu meinem Traumland aufbrechen werde.
    Hach, ich kann es mir schon gut vorstellen, auch Regen wird mich nicht aufhalten – ich werde es einfach nur genießen – das wunderschöne Land – und die Stille. Vielen lieben Dank.

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