Das Märchen von den betrunkenen Tieren in Afrika
Ok, jetzt seien wir mal ehrlich. Ich hatte gehofft, dass es stimmen würde. Weil irgendwie so ein bißchen wäre das ja auch toll gewesen. Und ich hatte mich schon gefreut darauf. Aber, wie so oft bei Geschichten, die irgendwie zuuuu gut klingen, isses nicht ganz so einfach wahr. Schade. VON WAS REDET DIE DENN EIGENTLICH???
Ach so, ok. Ich fang mal nochmal von vorne an. Es war einmal im Dezember, als ein euch allzu bekanntes Mädchen durch Bangkok streifte, in der Hand eine Einladung nach Südafrika von einem ihr wohl bekannten Cream-Likörhersteller. Marula, Marula, Marula, irgendwas. Da war doch was. War das nicht? Ja, rief eine Stimme laut, das ist doch die Frucht von der die Tiere in Afrika so besoffen werden. Ach was! Aber seht selbst:
Ach, das wird ein Spass. Und wir werden genau zur Erntezeit in Südafrika sein? Perfekt! Wir (gut angedüdelt vom Konsum des Cream-Likörs) werden die Tiere (gut angedüdelt vom Konsum der Frucht aus der der Cream-Likör hergestellt wird) also beobachten. Dufte. Da wird mit Sicherheit n lustiges Video bei rumkommen. Ähmmmm, nein. Falsch gedacht. Also schon. Aber nicht so wie gedacht. Zum einen war die Erntezeit schon fast vorbei als wir in Südafrika waren, was heißt, dass so gut wie keine Marula Früchte mehr zu finden waren (die Marula Bäume wachsen übrigens alle wild und können nicht kultiviert werden), zum ANDEREN ist die Sache mit den betrunkenen Tieren komplizierter als gedacht.

Was wie? Was stimmt nicht? Mögen die Tiere keine Marula Früchte? Oh doch, sehr sogar. Aber werden sie davon betrunken? Lange galt das als eindeutig widerlegt: Eine viel zitierte Studie der University of Bristol aus dem Jahr 2006 rechnete vor, dass ein Elefant das 400-fache seiner normalen Nahrungsmenge an Marula-Früchten fressen müsste, um überhaupt betrunken zu werden — praktisch unmöglich. Nachzulesen zum Beispiel hier bei National Geographic.
Ganz so eindeutig ist die Sache inzwischen aber nicht mehr. Neuere genetische Forschung zeigt, dass Elefanten (anders als die meisten Säugetiere) eine Genmutation besitzen, die sie deutlich empfindlicher gegenüber Alkohol machen könnte als ursprünglich angenommen — die alte Bristol-Rechnung ging schließlich von menschlichen Alkohol-Toleranzwerten aus, nicht von denen der Elefanten selbst. Die Wissenschaft ist sich also uneinig, ob das Märchen wirklich komplett aus der Luft gegriffen ist, oder ob an der alten Zulu-Überlieferung („Elefanten wärmen sich sanft das Gehirn mit fermentierten Früchten“) doch ein Körnchen Wahrheit steckt. Fakt ist auf jeden Fall, dass man aus den Marula-Früchten Bier und eben auch Amarula herstellt. Und wer davon zu viel trinkt, der wird definitiv betrunken. Is so. Glaubts mir. Ich habs getestet.
Wie die Tiere jetzt mal so in echt da in Südafrika rumlaufen, das seht ihr hier:
Hinweis: Ich wurde von Amarula auf diese Reise eingeladen. Und ja, sie haben mir viel Alkohol gegeben.
