Kulturstation Rumia – ein bemerkenswerter Ort in Polen.

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ANZEIGE1Wir befinden uns in Polen. Genauer gesagt in Rumia, einer Kleinstadt in Pommern an der Ostseeküste. Und wir sind auf der Suche nach schöner, moderner Architektur. Normalerweise verbindet man mit polnischer Architektur eher graue, etwas triste Gebäude aus alten sozialistischen Zeiten. Ein Meer aus Einheitsbrei sozusagen. In Rumia aber gibt es ein preisgekröntes Schmankerl, das Farbe und Kultur in diese Tristesse bringt und als leuchtendes Beispiel für viele andere Bauvorhaben dienen wird.

Kulturstation – Culture Station – in Rumia.

Das leuchtende Beispiel ist der alte Bahnhof der Stadt. Ehemals verfallen, heute mit positiver Signalwirkung nach außen. Ein Bahnhofsgebäude ist normalerweise ein prägendes und zentrales Gebäude im Stadtbild. Hier treffen sich Reisende von überall, es ist der erste Anlaufpunkt für Ankommende und der letzte für Abreisende. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck und noch bis vor rund 2 Jahren war dieser Eindruck in Rumia eher unbehaglich und nicht wirklich ansprechend. Als Relikt alter Zeiten wirkte das Bahnhofsgebäude verlassen und vernachlässigt, Fahrgäste fühlten sich nicht willkommen, eher sogar eingeschüchtert. Die dunkle Eingangshalle, zerkratzte und verschmutze Wände, verfallene Gesimse und eine Fassade voll von alten Werbeplakate sprachen weder die Einheimischen noch die Reisenden an. Stattdessen zog die Umgebung einen Personenkreis an, den keine Stadt gerne an ihrem Drehkreuz für Ankommen und Abfahren hat.

Es musste also dringend etwas passieren. Das Resultat ist eine preisgekrönte Kombination aus Bahnhofsstation, öffentlicher Bibliothek und kulturellem Zentrum, vereint in den alten Mauern des bestehenden Gebäudes. Die Haltestelle Rumia wird zur Kulturstation.

Kulturstation RumiaKulturstation Rumia

Dem Gründer des Projekts, Dr. Jan Sikora, war ein zeitgemäßes Design in Kombination mit alten stilistischen Elementen der polnischen Eisenbahnindustrie wichtig. Moderne Inneneinrichtung und traditionelle Merkmale eines Bahnhofsgebäude wurden in dem Gebäude perfekt umgesetzt und in ein harmonisches Verhältnis gebracht. Eine Art Corporate Design also, das sich durch das ganze Gebäude zieht: Von der großen Bibliothek, über das Café, bis hin zu den kleinen roten Bücherwägen. Das Innere ist eine Hommage an die reiche Symbolik der Bahnindustrie. Die Farben Rot und Schwarz nehmen Bezug auf die Farbschemata, die für die Bemalung antiker Lokomotiven verwendet wurden. Eine große Bahnhofsuhr nimmt einen zentralen Platz ein und steht ebenso für die vorangegangene Hauptfunktion des Gebäudes, wie ein Megafon und die Bücherregale aus Stahl, die an Bahngleise erinnern sollen. Der Bezug zur Vergangenheit und ehemaligen Funktion ist ohne Kitsch auf eine angenehme Art und Weise gelungen.

Kulturstation RumiaKulturstation Rumia

Der Raum nach dem Umbau wurden so konzipiert, dass er eine Unterteilung in mehrere kleine Räume erlaubt, die wiederum Ausstellungen, intime Konzerte, Gemeindeversammlungen und verschiedene Events beherbergen können. Die verschiedenen Besprechungsräume des Gebäudes lenken in ihrer schlichten Gestaltung den Fokus auf die Gespräche und die Menschen in dem Zimmer. Unterschiedliche Funktionen, Bewegung, kultureller Austausch und Ruhe sind also zur gleichen Zeit in einem Gebäude vereint und sogar viele der Tische und Stühle sind modular konzipiert und ermöglichen eine Raumgestaltung nach Belieben.

Die neue öffentliche Bibliothek ist das Hauptelement im Gebäude und ein schönes Beispiel abseits von der Enge und Dunkelheit verstaubter alter Bibliotheken. Licht, Moderne und Kreativität bestimmen das Ambiente. Zentral angeordnet ist der Bereich für’s klassischen Lesen und Stöbern. Presse und Neuanschaffungen befinden sich an der Wand werden vor allem gerne von den Reisenden im Café während ihrer Wartezeiten durchgeblättert. Bequeme Lesebereiche wurden für die Besucher zur Verfügung gestellt, die beim Lesen entspannen möchten. Und auch Bereiche für Kinder und junge Erwachsene und die Möglichkeiten zur Recherche in den digitalen Medien wurden umgesetzt und werden gerne genutzt.

Kulturstation RumiaKulturstation Rumia

Verschiedene Sitzbereiche erinnern mit ihren hohen Lehnen an die Sitzbänke alter luxuriöser Waggons längst vergangener Zeiten. Und laden in Form und Farbe zum gemütlichen Schmökern ein, ohne visuelle Reize von außen.

Kulturstation Rumia

Ein weiteres wichtiges Element im neuen Bahnhofsgebäude von Rumia ist das Café. Eine Oase der Ruhe und ein sicherer Raum für die vielen Ankommenden und Abfahrenden. Normalerweise ist ein gemütliches Café eher ungewöhnlich für klassische Bahnhöfe. Die wenigsten Leute sitzen dort freiwillig, meistens werden Verspätungen und Wartezeiten von ihnen überbrückt. Funktionell sollte es also eher ein zwangloser und legerer Raum sein, in dem sich die Passagiere setzen, entspannen und lesen können.

Kultur und Geschichte, vergangen wie gegenwärtig, ist ein hohes Gut unserer Gesellschaften. In der Kulturstation Rumia hat man die Möglichkeiten die Vergangenheit zu recherchieren und sich über die Gegenwart auszutauschen. Und das in einem kreativen, modernen Umfeld. Durch die Kombination verschiedener Funktionen in einem Gebäude wird eine Art Koexistenz geschaffen, eine Verbindung der Räume untereinander ermöglicht es, verschiedene Zielgruppen anzusprechen und die Kulturstation zu beleben. Ein Gebäude wie das lebt erst wirklich durch die Menschen, die es nutzen. Durch die verschiedenen Stimmen und Unterhaltungen, durch das Lachen von Kindern, durch das willkommen heißen oder verabschieden von Reisenden, durch Vorträge, Gedanken und Ideen.

Die Haltestelle in Rumia ist ein positives Beispiel abseits der normalen, kühlen und hektischen Bahnhöfe. Von außen schlicht und funktional. Ein Gebäude, dem man aufgrund seiner Architektur das Alter ansieht, mit klassischen post-modernen Elementen, jedoch liebevoll und harmonisch restauriert. Und von innen ist es ein schlichtweg sehr gut durchdachtes Konzept, das definitiv Lust auf noch mehr polnische Architektur macht.

Kulturstation RumiaKulturstation Rumia

Kulturstation Rumia – preisgekrönt und ausgezeichnet.

Das Projekt wurde und wird mit diversen Preisen national und international ausgezeichnet. Unter anderem dem POLITYKA Architecture Award (national) und dem Library Interior Design Award (international) in der Kategorie ‚Single Space Design‘, um nur mal zwei Preise zu nennen. Der POLITYKA Architecture Award wird vom POLITYKA Magazin verliehen, einer einflussreiche polnische Publikation, und fördert Investitionen, die geschmackvoll eingerichtet sind und eine Verbesserung ihrer Umgebung darstellen. Und das ist mit der Kulturstation Rumia eindeutig gelungen. Das Projekt ist auf nationaler Ebene einzigartig, vor allem wegen des preisgekrönten Innendesigns, basierend auf einem sehr schmalen Budget.

Kulturstation Rumia

Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Polnischen TV-Sender Domo+.

Hi, ich bin Elisa. Und ich liebe Roadtrips. Am liebsten bin ich in den Bergen und in der Natur. Ich versuche so oft es geht unterwegs zu sein und das am liebsten mit einer Matratze im Kofferraum und dem Rucksack auf der Rücksitzbank. Wenn ich nicht auf JUST travelous schreibe, dann erzähle ich auf take an adVANture meine Storys und Erfahrungen, wie und wo man auf Roadtrips, als Backpacker und bei verschiedenen Outdooraktivitäten sein Leben in vollen Zügen genießen kann. Be active, be adVANturous and go!

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