Marokko – Von staubigen Straßen und Momenten zwischen Fremden

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Ich war auf dem Weg nach Chefchaouen. Schon seit einer Weile hatte ich den Verdacht, dass mein Navi mich nicht auf die kürzeste Route geführt hatte. Auf einem Schild stand Chefchaouen, der Pfeil zeigte nach links, die Stimme in meinem Handy sagte, ich solle nach rechts fahren. Ich folgte der Stimme. Ich hatte keine Ahnung ob das eine Abkürzung sein würde oder ein Umweg, aber ich sah, dass mich mein Weg durch die Berge führen würde und das fand ich herrlich. Es war keine Abkürzung, wie ich schnell feststellen sollte, aber es war genau der richtige Weg für mich.

Ich führte ein paar Telefonate und stellte sicher, dass mein Guide, der in Chefchaouen auf mich wartete, Bescheid weiß, dass ich mich verspäten würde. Ich genoß es die Straße durch die Berge zu fahren, auch wenn ich mir manches Mal nicht sicher war, ob mein Mietwagen die Schotterpisten überleben würde. Ja, ich war spät dran und ja, in gewisser Weise auf dem falschen Weg, aber es fühlte sich großartig an. Die Aussichten waren atemberaubend und ich musste an meinen Roadtrip in Schottland denken.

Irgendwann irgendwo im nirgendwo sah ich ein älteres Paar am Straßenrand sitzen, der Mann stand auf und winkte mir zu. Ich hielt an. Beide sprachen Arabisch, aber es war eindeutig, dass sie eine Mitfahrgelegenheit suchten, und ich nahm sie gerne mit. Der Mann packte zwei schwere Säcke in den Kofferraum. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich dachte, was wohl in den Säcken drin ist und wie er die Säcke transportiert hatte. Die Frau setzte sich neben mich auf den Beifahrersitz und umarmte mich und drückte mir immer wieder Küsse auf die Backe. Ich spürte wie erleichtert und glücklich sie war, dass ich sie mitnahm. Ich hatte keine Ahnung, wie lange die beiden dort schon in der Hitze gewartet hatten.

Mittlerweile war ich wirklich spät dran und so rief ich erneut Layla an, mein Kontakt beim marokkanischen Fremdenverkehrsamt, um ihr Bescheid zu geben und sie zu fragen, ob sie für mich übersetzen könnte. Ich war mir nicht wirklich sicher, wo das Paar hin wollte und ob das auf dem Weg für mich lag.

Während sich Layla über Lautsprecher mit den beiden unterhielt, verstand ich nur das Wort Chefchaouen. Ich erinnere mich noch, wie ich dachte, wie hart gesprochenes Arabisch manchmal klingt, und wie viele dasselbe über Deutsch sagen. Dabei sind beide Sprachen sehr poetisch mit ihren Wörtern.

Layla sagte, dass deren Haus genau auf meinem Weg liegen würde und dass die beiden mich gerne für ein zweites Frühstück einladen wollen. Für eine Sekunde sah ich mich dort sitzen, einen Minztee nach dem anderen trinken, wahrscheinlich bis zu sechs Gläser. Mein Guide Said aus Tanger sagte, dass dir in Marokko so lange Tee nachgeschenkt wird bis kein Tee mehr da ist. Man wird in Marokko nicht gefragt, ob man noch mehr Tee möchte. Es wird gefragt, ob der Tee schmeckt und wenn die Antwort ja ist, dann bekommt man nachgeschenkt. Ich fand die Idee herrlich.

Aber Layla hatten den beiden bereits gesagt, dass ich keine Zeit habe. Und ja, sie hatte Recht. Ich war ein bisschen traurig die herzliche Einladung ablehnen zu müssen, aber es gab keine andere Möglichkeit. Dass es doch möglich gewesen wäre, würde ich erst in Chefchaouen herausfinden.

Layla sagte auch, dass die beiden mich mit Dank und Segenswünschen überschüttet hättet. Für Liebe, Gesundheit und alles, was man so braucht im Leben. Ich ließ ihnen über Layla dasselbe von mir aussrichten. Ich sah die Frau an und ich fühlte, dass sie wusste, was ich sage. Sie strich mir liebevoll über das Haar.

Als wir wenig später durch ein kleines Dorf fuhren, gaben die beiden mir zu verstehen, dass ich anhalten sollte. Die Frau gab mir tausend Küsse und umarmte mich und küsste mich wieder und umarmte mich wieder bis mir fast schwindelig wurde vor lauter Dankbarkeit und Liebe. Ein Junge kam mit einer Schubkarre um die Ecke, ich denke es war ihr Sohn.

Der Mann gab mir seine Nummer und ich verstand, dass er wollte, dass ich auf meinem Rückweg sie besuchen sollte. Ich war mir nicht sicher, ob ihm bewusst war, dass das womöglich niemals geschehen wird. Die Frau gab mir einen halben Laib Brot, damit ich zumindest etwas von ihnen auf meiner Weiterreise dabei habe.

Ich wollte ein Foto, den Moment festhalten. Die Sonne schien ihnen allen ins Gesicht und daher schauen alle drei etwas skeptisch. Ich kann mich aber noch genau an die Wärme in ihren Augen erinnern, als sie sich verabschiedeten.

Als ich wegfuhr wusste ich, dass ich diesen Moment nie vergessen werde. Ein Moment voller Liebe, Dankbarkeit und Hoffnung. Es mag simpel erscheinen, an sich hatte ich nichts anderes getan als einem marokkanischen Ehepaar eine Mietfahrgelegenheit anzubieten, aber in diesem Moment lag für mich viel mehr als das. Auch wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen, verschiedene Kulturen haben und uns womöglich nie wieder sehen werden, in diesem Moment auf einer staubigen Straße in Marokko fühlte ich mich mit diesem Ehepaar tief verbunden. Wir verstanden uns jenseits von Sprache und Kultur. Und ich bin dankbar für jeden einzelnen solcher Momente in dieser Welt.

Als ich endlich in Chefchaouen ankam, anderthalb Stunden später als geplant, genau in diesem Moment erreichte mich eine Textmessage von meinem Guide, der nicht mehr länger warten konnte und gegangen war. Ich verstand es als eine Nachricht des Universums, dass ich eben doch immer meiner Intuition folgen sollte und dass ich die Einladung zum Essen annehmen hätte sollen. Ich war kurz versucht umzudrehen, aber ich wollte auch Chefchaouen erkunden, diese blaue Stadt, von der ich schon so viel gehört hatte.

Und so schlenderte ich durch Gassen Chefchaouens und es ist WIRKLICH so schön, wie man immer denkt. Es ist auch recht touristisch, aber eben auch wunderschön. Nach einer Weile wurde es mir etwas zuviel mit den ganzen Touristen, die alle nach dem perfekten Instagram Foto suchen. Ein paar Jungs fragten mich: Wo sind die Treppen mit den Blumentöpfen?

Überall, antwortete ich. Chefchaouen ist ein Instagram Himmel, mit einem Souvenir Shop neben dem anderen.

Gelb scheint die beste Outfitfarbe zu sein für das perfekte Instagram Bild in Chefchaouen.

Ich hatte das Bedürfnis nach einer echten Unterhaltung, nach einem Erlebnis, das tiefer geht als Fotos zu machen. Alle Einheimischen, die ich traf waren super freundlich, aber die echte Verbindung fehlte mir. Und es fühlte sich falsch an, mich ausgiebig mit den Souvenirhändlern zu unterhalten, wenn ich doch keine Absicht hatte etwas zu kaufen. Ich wollte ihre Zeit nicht verschwenden.

Durch Zufall endete ich in einer Sackgasse ohne Souvenirläden, ich sah Kinder spielen und fühlte sofort eine Verbindung zu ihnen. Eines der Mädchen sah mich an und frug mich auf Englisch, wer ich bin und wie es mir geht. Als ich frug ob ich Fotos von ihnen machen könnten waren alle ganz aufgeregt und hörten nicht auf zu posen, bis ich hunderte Fotos von ihnen gemacht hatte. Sie wollten nicht, dass ich wieder gehe. Und so setze ich mich zu Ihnen. Ich traf ihre Brüder und Schwestern, ihre Cousinen und Mütter und Nachbarn. Alle Erwachsenen waren sehr freundlich, aber es waren die Kinder, die wirklich interessiert waren an mir. Ich genoß den Moment. Ich gab den Mädchen den Schmuck, den ich an dem Tag trug, Kleinigkeiten, die ich bei mir hatte. Die älteste der Mädchen brachte mir eine Kette von sich als Geschenk und frug, ob wir Facebook Freunde sein könnten. Sie hatte keine Ahnung, wieviel mir dieser Moment bedeutete.

Ich reise, weil ich Menschen treffen möchte. Ich will ihre Geschichten hören und mehr darüber erfahren, wie andere Menschen ihr Leben leben. Ich will die Welt erkunden und verschiedene Kulturen entdecken und ich will, dass mein Herz still steht. Ich will im Moment leben und meiner Intuition folgen. Und das bedeutet für mich auch ohne Plan zu reisen, ohne eine Liste an Dingen, die ich tun will. Und ja, das mag sich komisch anhören, da ich doch genau solche Artikel auf meinem Blog habe. Die Wahrheit ist allerdings, dass ich fast nie einen Plan habe oder eine fixe Route, wenn ich reise. Ich liebe es morgens aufzustehen und ganz spontan zu entscheiden was ich an dem Tag erleben möchte. Und ja, manchmal google ich nach Sachen, die andere Menschen empfehlen. Und oft folge ich den klassischen Pfaden, aber meistens geh ich einfach aus dem Haus, hoffe darauf, dass ich mich irgendwann verlaufe und warte darauf, dass magische Momente passieren.

Und das sind die Geschichten, die ich mit euch teilen möchte. Geschichten, die euch die Welt durch meine Augen zeigen, wie ich mein Leben lebe.

Und wenn diese Geschichten euch dazu inspirieren die Welt zu entdecken, offen und neugierig zu sein für andere Menschen und andere Kulturen, dann würde ich wahnsinnig gerne eure Geschichten hören. Die Welt braucht mehr Geschichten voller Liebe, Verbindung und Hoffnung. Das sind die Geschichten, die ich erzählen möchte.

“We are travelers on a cosmic journey, stardust, swirling and dancing in the eddies and whirlpools of infinity. Life is eternal. We have stopped for a moment to encounter each other, to meet, to love, to share. This is a precious moment. It is a little parenthesis in eternity.” Paul Coelho

Und auch wenn ich es euch sehr ans Herz lege eure ganz eigenen Momente in Marokko zu finden, hier sind einige Empfehlungen, die von Herzen kommen.

Tipps für Tanger, Chefchaouen und Fez

Tanger

In Tanger schlief ich zwei Nächte im Riad Mokhtar, ein wunderschöner Riad mit einer herrlichen Aussicht von der Dachterrasse über die Stadt. Ich hatte keine Ahnung, wie beliebt Tanger in Hollywood ist und dass die Stadt in den 60ern ein echter Hotspot der Berühmten und Reichen war. Ihr wärt überrascht in wie vielen Filmen ihr Tanger schon gesehen habt.

In Tanger würde ich euch empfehlen in einen der klassischen Tee Salons zu gehen. Der Minz-Tee, den sie dort servieren ist perfekt bei der Hitze. Und falls ihr den kleinen Argan Oil Laden findet, dann gönnt euch etwas! Das Öl tut wahre Wunder für eure Haut.

Für Tanger würde ich ein oder zwei Tage einplanen, vor allem, wenn ihr auch etwas von der Umgebung sehen wollt, wie die Herkules Höhlen oder falls ihr einen Strandtag einlegen wollt.

Chefchaouen

Chefchaouen ist die perfekte Stadt um sich zu verlaufen. Die Gassen sind wie ein Labyrinth und sobald ihr den Trubel einmal hinter euch gelassen habt werdet ihr eine ganz neue Seite der Stadt entdecken. Es lohnt sich auch auf den Turm der Kasbah zu klettern, von dort habt ihr eine sensationelle Aussicht auf die Stadt und der Eintritt von 10 Dirham ist es definitiv wert.

Ein Tag reicht um die Stadt Chefchaouen zu erkunden, falls ihr mehr Zeit habt, dann empfehle ich euch einen Abstecher in die Berge oder zum Talassemtane National Park.

Fez

Meine Unterkunft in Fez ist das perfekte Beispiel dafür, dass man manchmal Sachen mag, die andere Menschen nicht mögen. Ich finde die Bewertungen des Palais El Yazid werden dem Ganzen nicht gerecht. Ja, manche der Zimmer sind recht einfach und das Gebäude hat sicherlich bessere Zeiten gesehen, aber es gibt dort auch eine Suite (für gerade mal 36€ die Nacht) und ihr werdet dort ein authentisches Dar Erlebnis haben (ein Dar ist eine kleinere Version eines Riads ohne Garten). Alle Mitarbeiter, die ich im Palais getroffen habe waren auch super herzlich und ich hatte dort definitiv das beste Essen der ganzen Reise. Ihr könnt direkt dort auch Touren organisieren oder lernen, wie man eine Trommel baut.

Fez ist eine Stadt voller Geschichte, die älteste Universität der Welt, die immer noch in Betrieb ist, wurde in Fez gegründet und ihre Medina gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Fez ist laut, hektisch, ein Labyrinth voller Gerüche und Geräusche. Ihr werdet euch innerhalb Sekunden verlaufen. Ich habe es geliebt. Es ist genauso, wie ich mir Marokko immer vorgestellt habe.

Ich hätte gerne mehr Zeit in Fez vebracht, daher würde ich sagen, ein Tag reicht nicht aus, plant besser zwei Tage für Fez ein.

Falls ihr euch übrigens wundert, warum es in Fez manchmal so komisch riecht… das kommt von der Gerberei aus dem 11. Jahrhundert, die immer noch existiert. Falls ihr ein bisschen extra Taschengeld braucht… ihr könnt der Gerberei Taubenkacke verkaufen, die brauchen sie für den Prozess und ihr bekommt immerhin 150 Dirham für 1 Kilo Taubenkacke.

Welche Momente erinnern euch an Marokko oder welche Tipps habt ihr für Marokko?

Dieser Artikel ist Teil einer Kampagne mit Expedia und iAmbassador. Ihr könnt euch Videos meiner Reise auf dieser Microseite ansehen. Dort bekommt ihr auch noch mehr Infos zu Marokko an sich.

Hi, ich bin Yvonne. Reisesüchtig. Schuldig im Sinne der Anklage. Sehr wahrscheinlich falle ich gerade irgendwo von einem Kamel, werde von einer Kobra angespuckt oder schleppe mein Gepäck durch einen Fluß im Dschungel. Es könnte allerdings auch gut sein, dass ich gerade im Schlafanzug auf meinem Sofa in Berlin sitze. Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen überall hin. Überall hört sich irgendwie viel spannender an. Seid travelous und folgt mir!

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