6 ungewöhnliche Dinge am stillgelegten Flughafen Tempelhof in Berlin
Als ich das erste Mal in Berlin war, hat mir ein Freund unbedingt geraten, nach Tempelhof zu fahren. Ich dachte mir: „Warum um alles in der Welt sollte ich mir einen stillgelegten Flughafen ansehen?“ Wie wenig ich damals ahnte, wie viel man dort eigentlich machen und sehen kann! Hier sind sechs Dinge, die ihr in Tempelhof machen könnt, weit über die Geschichtsbücher hinaus.

Eine kurze Geschichte
Der Flughafen Tempelhof wurde in den 1920er Jahren erbaut und war einer der ersten kommerziellen Flughäfen der Welt. Er sollte Deutschlands Ambitionen und Größe symbolisieren, mit seiner ikonischen, geschwungenen Terminal-Fassade. Der Flughafen spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle, insbesondere bei der Berliner Luftbrücke, mit der West-Berlin während der sowjetischen Blockade 1948-1949 versorgt wurde — auf dem Höhepunkt der Luftbrücke landete hier Tag und Nacht etwa alle 90 Sekunden ein Flugzeug. Nach dem Kalten Krieg ging der kommerzielle Flugbetrieb zurück, und 2008 wurden alle kommerziellen Flüge offiziell eingestellt.

Zwei Jahre später, 2010, wurde der Flughafen als öffentlicher Park unter dem Namen Tempelhofer Feld wiedereröffnet und ist heute einer der größten innerstädtischen Parks der Welt. Die alten Start- und Landebahnen bieten Berlinern und Touristen eine riesige Erholungsfläche, während das Terminalgebäude erhalten geblieben ist und Führungen sowie Veranstaltungen beherbergt — eine bleibende Erinnerung an die Vergangenheit.

6 Dinge, die man am Flughafen Tempelhof machen kann
1. Eine geführte Tour durchs Terminal
Das ist die einzige Möglichkeit, wirklich ins Gebäude reinzukommen. Es gibt verschiedene Führungstypen zur Auswahl — offene Führungen, Fototouren, Gruppenführungen und thematische Sonderführungen (manche behandeln die allgemeine Geschichte, andere konzentrieren sich speziell auf die unterirdischen Bereiche oder Mythen aus dem Kalten Krieg). Ihr werdet nicht jede Ecke des 300.000 Quadratmeter großen Gebäudes sehen — das wäre in einer 2-Stunden-Führung auch unmöglich. Fun Fact: Würde man jeden Mittag in einem anderen Raum essen, bräuchte man etwa drei Jahre, um einmal in jedem Raum gegessen zu haben.
Die Standardführungen kosten etwa 16,50€ für Erwachsene und 11€ für Studierende und Kinder (6-14 Jahre), auch wenn es sich lohnt, auf der offiziellen Tempelhof-Führungsseite die aktuellen Preise und Termine zu prüfen, da sich die Führungen kurzfristig wegen Veranstaltungen oder Bauarbeiten ändern können. Mit der Berlin WelcomeCard gibt’s 25% Rabatt.

2. Den „Rosinenbomber“ der Luftbrücke ansehen
Vor dem Terminal steht eine echte Douglas C-54 Skymaster — einer der „Rosinenbomber“, die während der Berliner Luftbrücke 1948/49 Versorgungsflüge durchführten. In der Nähe gibt es außerdem ein Denkmal für die Flieger und Zivilisten, die während der Luftbrücke ums Leben kamen. Ein wirklich bewegender Stopp und eine Erinnerung daran, wie zentral dieser Flughafen für das Überleben der Stadt während der sowjetischen Blockade war.
3. Auf dem Rollfeld laufen, radeln oder skaten
Das Tempelhofer Feld ist einer der beliebtesten Treffpunkte der Berliner. Für die Sportlichen: Laufen, Radfahren, Joggen oder Skaten auf den alten Rollbahnen; für die weniger Sportlichen tut’s auch ein Picknick oder ein Nachmittag im Gras. Der Park ist übers Jahr regelmäßig Schauplatz von Festivals, Märkten und Veranstaltungen — lohnt sich, vorher zu checken, was gerade los ist.
4. Unter die Erde bei der Tour zu verborgenen Orten
Wenn euch die Standardführung noch nicht genug Geschichte ist: Es gibt eine eigene unterirdische Tour, die durch Bunker, Luftschutzräume und Kellergewölbe unter dem Terminal führt — Bereiche, die bei der Standardführung nicht gezeigt werden. Um diese unterirdischen Räume ranken sich viele Geschichten und Mythen, und die Guides trennen ziemlich gut Fakten von Legenden.

5. Der Ausblick vom Dach
Mein persönliches Highlight der Tour war der Blick vom Dach. Beim Rauf- und Runtergehen der Treppen und Flure sieht man an der Staubschicht in manchen Räumen, dass hier schon lange niemand mehr war — und dann tritt man aufs Dach hinaus und bekommt eine völlig andere Perspektive auf das Rollfeld und die Stadt dahinter.





6. Über die Widerstandsfähigkeit einer Stadt nachdenken
Das hier ist keine buchbare Aktivität, aber trotzdem einen Moment wert: Setzt euch einfach kurz damit auseinander. Tempelhof zeigt, dass es egal ist, was in der Vergangenheit war — es gibt immer die Chance, sich zu verändern und Negatives in Positives zu verwandeln. Berlin hat einem Ort, der unter einem der dunkelsten Regime der Geschichte erbaut und später zentral für das Überleben der Stadt während der Blockade wurde, einen neuen Sinn gegeben — und ihn zu einem Symbol für Widerstandsfähigkeit und Kreativität gemacht, das heute Touristen und Einheimische gleichermaßen genießen können.
Bonus: Die neue „Tempelhof Visions“ Tour
Eine neuere Ergänzung im Führungsangebot, Tempelhof Visions, betrachtet den Ort anders als die geschichtsfokussierten Führungen — sie zeigt Tempelhof als einen Ort im Wandel und als Spiegel der aktuellen Berliner Debatten über Stadtentwicklung. Wer die Geschichtstour schon gemacht hat und einen anderen Blickwinkel auf dasselbe Gebäude sucht, sollte diese hinzunehmen.
Anreise
Mit der U6 bis Platz der Luftbrücke oder Paradestraße fahren — der Eingang zum GAT Terminal (Tempelhofer Damm 1-7) ist etwa 3 Gehminuten von der Paradestraße entfernt. Die Führungen finden meist mittwochnachmittags sowie freitags bis sonntags statt; checkt vorher den offiziellen Zeitplan, da sich Zeiten und Verfügbarkeit ändern können.
Ein Besuch des Tempelhofer Felds ist eine tolle Ergänzung zu einer Berlin-Reise. Wer noch nicht viel von der Stadt gesehen hat, für den ist eine allgemeine Berlin-Sightseeing-Tour eine gute Möglichkeit, sich erstmal zu orientieren, bevor es dann tief in die Geschichte von Tempelhof geht.
