10 Dinge, die du für deine Reise in die Antarktis wissen musst.

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Eine Reise in die Antarktis stellt definitiv ein besonderes Highlight im Leben dar. Weit weg von jeglicher Zivilisation begibt man sich auf eine Expeditionsfahrt zum kältesten Kontinent unserer Erde. Das Schiff schlängelt sich dabei an haushohen Eisbergen vorbei und die Natur zeigt sich von ihrer wildesten und schönsten Seite. In dem Artikel findet ihr Antworten auf Fragen zu einer Reise in die Antarktis, verpackt in unzähligen Bildern und jeder Menge Text.

1. Wo liegt eigentlich die Antarktis?

Eine nicht ganz unberechtigte Frage, werden doch Arktis und Antarktis oftmals verwechselt oder sogar für ein und dasselbe gehalten. Die Antarktis ist das geografische Gegenstück zur Arktis und befindet sich im Süden unserer Erdkugel. Sie umfasst die um den Südpol gelegenen Land- und Meeresgebiete südlich 60° südlicher Breite. Der Begriff „Arktis“ leitet sich von dem altgriechischen Wort árktos „Bär“ ab und nimmt Bezug auf das Sternbild des Großen Bären. Noch lange vor der Entdeckung des antarktischen Kontinents nahm man an, dass es auch ein südliches Gegenstück zu den Landmassen am Nordpol geben muss, die sogenannten ANT-Arktis.

Blick auf die AntarktisBlick auf die Antarktis

Ein weiterer wichtiger Punkt, der oftmals für Verwirrung sorgt: In der Antarktis kann man Pinguine beobachten, in der Arktis wiederum Eisbären. Beide Tierarten werden sich auf natürlichem Wege niemals begegnen, Eisbären fressen also keine Pinguine.

2. Womit ist man in die Antarktis unterwegs?

Expeditionsschiffe, wie die MS Midnatsol der norwegischen Reederei Hurtigruten, sind von Südamerika aus in die Antarktis unterwegs. Das Schiff verkehrt dabei in den europäischen Sommermonaten an der norwegischen Fjordküste, in unseren Wintermonaten aber macht sie sich auf den Weg zu einer abenteuerlichen Reise in den Süden.

MS Midnatsol von untenMS Midnatsol im Garibaldi Fjord

Auf dem Schiff befindet sich alles, was man für einen angenehmen Trip über mehrere Tage braucht. Die Kabinen (mit und ohne Fenster) sind schmal und gemütlich und mit einem kleinen Bad ausgestattet. Außendecks eignen sich hervorragend, um die umliegende Landschaft und die Tierwelt zu bestaunen. Im Restaurant ist für alle kulinarischen Vorlieben und Abneigungen bestens gesorgt: Egal ob Vegetarier, Veganer, Pescetarier, Flexitarier … alle kommen auf ihre Kosten. Und gemütliche Plätze, um einen leckeren Cocktail zu schlürfen, finden sich überall auf dem Schiff verteilt.

MS Midnatsol auf Deception Island in der AntarktisAn der Deck der MS Midnatsol in der Antarktisgedeckter Tisch im Restaurant der MS Midnatsol

Die Sprache an Board ist übrigens Englisch, da aber knapp 50% der Gäste aus Deutschland kommen, werden die Durchsagen auch auf Deutsch gemacht. Die Währung auf dem Schiff ist NOK (norwegische Kronen), aber keine Sorge, eine Bezahlung mit Kreditkarte ist üblich.

3. Wie schaut eigentlich die genau Route aus?

Die Route ist je nach gebuchter Tour eher so ein grober Richtwert. Natürlich ist die Richtung klar (immer nach Süden), aber aufgrund von schlechten Wind- und Wetterverhältnissen kann es passieren, dass Anlandungen nicht möglich sind. Während eines klassischen Trips in die Antarktis werden lediglich die antarktische Halbinsel und die Süd-Shetlandinseln angesteuert, da die „geringe“ Entfernung zu Chile und Argentinien und die Temperaturen in den Sommermonaten eine relativ einfache Anreise erlauben.

Ein Beispiel: Wir starteten unsere Tour mit der MS Midnatsol von Punta Arenas in Chile aus. Unser Weg führte uns entlang der Chilenischen Fjorde, mit einem Zwischenstop am Garibaldi Fjord, bis nach Puerto Williams, der wohl südlichsten Stadt unserer Welt. Die anschließende Durchquerung der Drake Passage machte meinem Magen ordentlich zu schaffen.

Karte vom Routenverlauf auf dem Weg in die AntarktisZodiac vor dem Garibaldi GletscherLandschaft bei Puerto Williams

Angekommen in der Antarktis begann das erste Abenteuer mit einer Kayak-Fahrt um Half Moon Island. Am nächsten Tag in Brown Bluff betraten wir zum ersten Mal antarktisches Festland und das Wetter zeigte sich dort von seiner stürmischen Seite. Auf Deception Island habe ich es doch tatsächlich geschafft, bei -1Grad kaltem Wasser schwimmen zu gehen. Orne Harbour und Cuverville Island bescherten uns an den letzten beiden Tagen traumhafte Bedingungen, bei denen ich mein Herz endgültig an die Antarktis verloren habe. Auf dem Rückweg war das Wetter und die Drake Passage weiterhin gnädig zu uns, eine Anlandung am Kap Hoorn stellte das finale Highlight unserer Reise dar.

Karte vom Routenverlauf in der AntarktisBlick auf Deception IslandPinguine auf Cuverville Island

Eine ausführliche Beschreibung unserer Reise, mit allen Emotionen und Eindrücken, folgt bald in einem nächsten Artikel.

4. Welche Kleidung benötigt man für einen Trip in die Antarktis?

Da die angebotenen Touren im antarktischen Frühling und Sommer stattfinden, liegen die Temperaturen bei ca. 0°C bis +5°C. Eine klassische Winterausrüstung ist also angemessen. Für Anlandungen außerhalb der Antarktis und Spaziergängen auf dem Schiff gehören warme und feste Schuhe ins Gepäck. Gummistiefel und eine wind- und wasserfeste Jacke werden für die Landgänge in der Antarktis gestellt.

Person vor der Kulisse auf Cuverville IslandPersonen auf einem Zodiac in der Antarktis

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich für einen Trip in solche Gegenden das Zwiebelprinzip empfiehlt. Kniehohe Skisocken, Thermounterwäsche, ein Pullover, eine Jacke und, ganz wichtig, eine wasserdichte Hose sind ein Muss. Weitere empfehlenswerte Accessoires sind außerdem Mütze, Handschuhe, Schal und eine Sonnenbrille.

In einem nächsten Artikel stelle ich euch noch eine detaillierte Packliste zusammen, damit ihr auf eurer Reise in die Antarktis auch ja nichts vergesst.

5. Wie funktionieren die Anlandungen und das Cruisen?

Das wirkliche spannende an einem Trip in die Antarktis sind die Landgänge und das Cruisen vorbei an tiefblauen Eisscholen und meterhohen Gletschern. Dafür stehen an Board mehrere Tenderboote, sogenannte Zodiacs, zur Verfügung. Ein Zodiac ist ein für solche Expeditionen konstruiertes Schlauchboot mit einem Außenboardmotor, das im Fall der MS Midnatsol mit einem kleinen Kran zu Wasser gelassen wird. Die Passagiere steigen dann über das Tender Pit in das Boot und nehmen an den Seiten Platz.

Zoadiac bei der Anlandung auf Cuverville IslandBlick auf die MS Midnatsol von einem Zodiac aus

Am Abend vor jeder Anlandung erhält man im Hörsaal eine kurze Einweisung. Das Expeditionsteam spricht über die Besonderheiten vor Ort und klärt über mögliche Schwierigkeiten auf. Gummistiefel und Rettungswesten werden zur Verfügung gestellt, für wasserdichte Kleidung muss jeder Passagier selbst sorgen. Da beim Ein- und Ausstieg beide Hände frei sein müssen, empfehle ich euch einen nässeunempfindlichen Packsack für eure Kamera.

Blick von Beiboot auf weitere ZodiacsZodiac vor weißen Bergen in der Antarktis

Artikelempfehlung: Susi von Black Dots White Spots nimmt uns mit zu einer Fahrt entlang Cuverville Island.

6. Die Seekrankheit und was man dagegen machen kann.

Die Seekrankheit ist eine Form der Reisekrankheit. Es kommt zu einem Konflikt der Sinnesorgane, da dass, was die Augen sehen, nicht mit dem übereinstimmt, was unser Gleichgewichtsorgan wahrnimmt. Der Körper reagiert auf die widersprüchlichen Eindrücke mit der Ausschüttung von Stresshormonen, unter anderem dem Histamin. Zu viel davon in unserem Blutkreislauf verursacht Übelkeit und Erbrechen.

Zodiac in der AntarktisBlick vom Schiff auf das dunkle Meer

Mittel gegen die Seekrankheit sind zum Beispiel Antihistamine in Form von Tabletten oder Scopolamin in Form von Pflastern, die man sich hinter das Ohr klebt. Die Nebenwirkungen sind aber nicht zu unterschätzen und sollten vorher mit einem Arzt besprochen werden.

Wer aber nur ungern Medikamente zu sich nimmt, der kann auf natürlichen Hilfsmittel zurückgreifen. Akupressurbänder werden an beiden Handgelenken befestigt und drücken dauerhaft auf einen Punkt zwei Finger breit unter dem Gelenk (und stimulieren dabei den P6 oder Nei-Kuan Akupressurpunkt). In der Apotheke kann man sich außerdem noch homöopathische Globuli und Ingwertropfen besorgen. Die beste Hilfe gegen die Seekrankheit ist übrigens noch immer ein langer Schlaf. Nach 2 – 3 Tagen gewöhnt sich wohl jeder Körper an den Seegang.

7. Wer schützt die Antarktis? – Antarktisvertrag und IAATO

Das Ökosystem in der Antarktis gehört zu einem der schützenswertesten unserer Erde. Und genau diesen Schutz regelt der Antarktisvertrag von 1959, der besagt, dass das Gebiet zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite ausschließlich der friedlichen Nutzung, besonders der wissenschaftlichen Forschung, vorbehalten bleibt.

Noch um einiges interessanter ist für Touristen aber die IAATO, die International Association of Antarctica Tour Operators, die auf Grundlage des Antarktisvertrages den Tourismus in der Antarktis regeln. Hurtigruten gehört dem Verband an und während der Überfahrt durch die Drake Passage findet an Board eine Infoveranstaltung statt, deren Teilnahme jeder Passagier mit einer Unterschrift bestätigen muss.

Person fotografiert Pinguin in der AntarktisMenschen in Orne Harbour

Das Regelwerk besagt, dass Schiffe mit mehr wie 500 Passagieren an Board keine Anlandung in der Antarktis machen dürfen. Pro Anlandungsstelle ist nur ein Schiff erlaubt und max. 100 Personen dürfen sich gleichzeitig an Land befinden. Da die Orte für eine Anlandung vom Expeditionsteam nur für eine gewisse Zeit gebucht werden können, hat man als Passagier im Schnitt 90 Minuten pro Landgang.

Der Schutz des Ökosystems steht im Vordergrund. Müll gehört sowieso nirgends in die Natur, ein Mindestabstand von 5m zu den Pinguinen muss unbedingt eingehalten werden (bei Robben und Seelöwen sind es gleich mal 15m), vorgegebene Wege dürfen nicht verlassen werden. Und übrigens haben Pinguine IMMER Vorfahrt.

8. Welche Tierarten kann man in der Antarktis beobachten?

Die Tierwelt in der Antarktis ist wahrlich einzigartig. Selten kann man wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung so nah beobachten, wie dort. In den Gebieten um die antarktische Halbinsel herum befinden sich große Kolonien von Zügel-, Adelie- und Eselspinguinen, vereinzelt ein paar Macaronipinguine und mit sehr viel Glück sogar Kaiserpinguine.

Kaiserpinguin auf Half Moon IslandPinguinkolonie auf Brown BluffZügelpinguin in Orne HarbourSkua in Orne Harbour

Neben den Pinguin kann man noch eine Vielzahl anderer Vögel beobachten. Spontan fällt mir da ein Skua, eine Raubmöwe, ein. Der Wanderalbatros wiederum ist ein ständiger Begleiter während der Überfahrt über die Drake Passage.

Absolut beeindruckend sind die Begegnungen mit Walen. In einem Moment tauchen sie ohne Vorwarnung neben dem Schiff auf, um kurz darauf wieder seitlich abzudrehen und unterzutauchen. Je nach Jahreszeit zeigen sich dabei verschiedene Arten, angefangen vom Blauwal, über den Buckelwal, bis hin zum Großen Schwertwal.

Buckelwale in der AntarktisWalbeobachtung in der AntarktisBuckelwal in der AntarktisRobbe auf Deception Island

Und, last but not least, kommen wir zu den Robben. Verschiedene Arten tummeln sich in den antarktischen Gewässern, von klein bis groß, von dick bis dünn, von niedlich verspielt bis räuberisch gefährlich.

9. Was kann man alles auf dem Schiff machen?

Es ist ein langer Weg bis in die Antarktis und wetterbedingt ist nicht immer eine Anlandung möglich. Man verbringt also viel Zeit auf dem Schiff und so wird es wie zu einem kleinen Zuhause während der Reise. Damit hier keine Langeweile aufkommen kann, gibt es an Board ein spannendes Programm abseits vom klassischen Entertainment der großen Kreuzfahrtschiffe. Es ist und bleibt eine Expeditionsreise mit dementsprechenden Freizeitaktivitäten.

Whirlpool an Bord der MS Midnatsol

Expeditionsteam der MS Midnatsol auf einem Zodiac
Das Expeditionsteam.

Wer sich nicht in der Sauna und im Whirlpool erholen möchte, für den bietet das Expeditionsteam spannende Vorträge. Experten verschiedener Fachgebiete halten täglich Vorträge über Flora, Fauna, Klima- und Polarforschung und im bordeigenen Labor kann man selber forschen und den Jungs und Mädels allerlei Fragen stellen.

10. Preis / Leistung einer Reise in die Antarktis.

Die Preise für Expeditionsfahrten in die Antarktis starten bei etwa 5000€ / Person, je nach gebuchter Tour und Zimmerkategorie. Darin enthalten sind alle 3 Mahlzeiten auf dem Schiff, Flüge innerhalb Südamerikas, die Anlandungen und Aktivitäten an Bord. Kaffee, Tee und Wasser sind inklusive, weitere Getränke müssen an Bord gekauft werden, die Preise sind aber für norwegische Verhältnisse günstig. Ein 0.4-Liter Bier im Restaurant kostet ca. 4,50€, ein Cocktail im Angebot ca. 6,00€.

Die Flüge von Europa nach Südamerika sind nicht in dem Preis enthalten und diverse Aktivitäten, wie eine Kayaktour oder eine Schneeschuhwanderung, können dazu gebucht werden.

Menschen in Orne HarbourPinguin in Cuverville Island

Sicherlich gibt es noch viele Fragen, die ich nicht beantwortet habe. Aber eine Antwort kann ich mir und euch definitiv ohne langem Überlegen geben: Es war die beste Reise meines bisherigen Lebens! 

Wenn ihr noch mehr über die Antarktis wissen wollt, dann empfehle ich euch die Artikel meiner Reisegefährten: Susi von Black Dots White Spots, Elke von Meerblog, Madlen von Puriy, Melanie von Good Morning World, Piet von We Travel The World und Angelika von Reisefreunde oder meine Liebeserklärung an die Antarktis. Und eine schöne und informative Einsteigerkunde über die Antarktis findet ihr bei Inka von blickgewinkelt.


Ich war auf der MS Midnatsol unterwegs in die Antarktis, auf Einladung von Hurtigruten. Vielen Dank dafür! Alle Ansichten und Meinungen sind und bleiben meine eigenen.

Hi, ich bin Elisa. Und ich liebe Roadtrips. Am liebsten bin ich in den Bergen und in der Natur. Ich versuche so oft es geht unterwegs zu sein und das am liebsten mit einer Matratze im Kofferraum und dem Rucksack auf der Rücksitzbank. Wenn ich nicht auf JUST travelous schreibe, dann erzähle ich auf take an adVANture meine Storys und Erfahrungen, wie und wo man auf Roadtrips, als Backpacker und bei verschiedenen Outdooraktivitäten sein Leben in vollen Zügen genießen kann. Be active, be adVANturous and go!

Discussion3 Kommentare

  1. Schöne Bilder einer bestimmt tollen Reise. Allerdings muss man sich ja leider fragen, wie lange diese wunderschöne Welt noch so erhalten bleibt.

    Gerade kürzlich hat sich ja ein gigantischer Eisberg, der doppelt so groß wie das Saarland ist, vom Larsen-C-Schelfeis gelöst und treibt im Meer vor der Antarktis.

    Ich denke, dass der Klimawandel der Antarktis arg zu schaffen machen wird. Es ist schon traurig, inbesondere für die zahlreichen Tierwelten dort. Hoffen wir das Beste.

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